Sie befinden sich hier: Startseite / Pressemitteilungen

Besuch des 1. hessischen Bioenergiedorfs

Eine Delegation überwiegend Wettesinger Bürgerinnen und Bürger, angeführt von Bürgermeister Klaus-Dieter Henkelmann und Vizebürgermeister Karl-Heinz Gerland, stattete am letzten Samstag dem 1. hessischen Bioenergiedorf Oberrosphe einen Besuch ab. Oberrosphe ist ein Stadtteil der Stadt Wetter, hat ca. 850 Einwohner und wurde in diesem Jahr zweiter Landessieger im Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft.

„Aus diesem Wettbewerb heraus entstand die Idee einer autarken Energieversorgung des Dorfes“, erklärte Hans Bertram der Besuchergruppe. Bertram, Vorstandsmitglied der Bioenergiedorf Oberrosphe eG, langjähriger Ortsvorsteher und ehemaliger Förster, schilderte, wie es zum Bau eines Heizkraft- werkes und der Nahwärmeleitung gekommen ist. Das Heizkraftwerk habe mittlerweile sein erstes Betriebsjahr hinter sich gebracht und keiner der 122 an das Nahwärmenetz angeschlossenen Haushalte des Dorfes habe im Winter 2008/2009 frieren müssen. Bertram gab den Besuchern aus Nordhessen einen Überblick über die Gründung einer örtlichen Genossenschaft Bioenergiedorf Oberrosphe eG und über die technische Umsetzung der Idee zu einem modernen Heizwerk, welches mit Holzhackschnitzel betrieben werde. Wichtige Gesprächsinhalte waren ebenfalls der Einkauf des Heizmaterials und die Zusammenarbeit mit Hessenforst sowie einem nahe gelegenen Sägewerk, die Betriebsabläufe, die Arbeit von ehrenamtlichen Mitgliedern der Genossenschaft sowie die finanziellen Rahmenbedingungen.

Ein Dorf will weg von Öl und Gas war das Leitmotiv zur Gründung einer Genossenschaft, an der sich knapp 60 % der Hauhalte beteiligten, in dem sie Einlagen in Höhe von 800.000 Euro erwarben. Für 3,25 Millionen Euro wurde ein 300 qm großes Heizhaus mit einer Holzhackschnitzelheizung sowie einer Reserve-Ölheizung mit einer Gesamtleistung von 850 Kilowatt und einem  800 qm großen Lagerraum für Brennmaterial und eine Photovoltaikanlage mit 77kW Leistung gebaut. Ferner wurden 7000 Meter Nahwärmeleitung im Ort verlegt. Finanziert wurde das Projekt neben den Einlagen der Genossenschaft mit einem Zuschuss des Landes Hessen und der Europäischen Union sowie einem Kommunaldarlehn der Stadt Wetter.

„Der Wärmepreis liegt bei uns so hoch wie der derzeitige Oelpreis, kann aber für
5 Jahre durch die Genossenschaft garantiert werden“, so Hans Bertram, der den Wettesingern hinsichtlich der Realisierung eines eigenen Projektes in der Nahwärmeversorgung Mut machte und sie eingedenk steigender Energiepreise ermunterte,  einen ähnlichen Weg zu gehen.

Bei der anschließenden Führung durch das Heizwerk war die Begeisterung über die Technik sehr groß und es gab sehr viele Fragen, die Vorstandsmitglied Bertram - im Übrigen ein ehemaliger Ippinghäuser - geduldig beantwortete.

Bereits jetzt wird angekündigt, dass am Dienstag, den 24. November 2009, 19.00 Uhr, eine Wettesinger Bürgerversammlung zum Thema Wettesingen auf dem Weg zum Bioenergiedorf, im Alten Rathaus Wettesingen stattfinden wird, bei der es auch um die Gründung einer Genossenschaft sowie weitere Schritte gehen wird.

Anmerkungen: Wie jedes Jahr verleiht EUROSOLAR den Deutschen Solarpreis an herausragende Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien. Das Bioenergiedorf Oberrosphe eG wurde für das Projekt Ein Dorf will weg von Öl und Gas – Das energieautarke und CO2-neutrale Dorf im Burgwald in der Kategorie 100 % Kommunen mit der Plakette des Deutschen Solarpreises 2009 ausgezeichnet. Weitere Informationen unter: www.bioenergiedorf-oberrosphe.de